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Dörfer der Region Bad Tennstedt mahnen zur Sparsamkeit

Verwaltungsgemeinschaft Bad Tennstedt, den 01.03.2018

Erhöhte Umlage der Verwaltungsgemeinschaft und erhöhte Personalkosten stoßen auf Kritik. Vertreter der Orte fassen sich auch an eigene Nase

 

Von Mara Mertin

Bad Tennstedt. Das, wofür die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Bad Tennstedt in diesem Jahr Geld ausgeben will, ist nicht besonders üppig. Der Etat, der am Montag beschlossen wurde, ist schmal: ein Kinderfest, Software für das Bauamt, Ausrüstung für die Feuerwehr. Dennoch mahnten die Bürgermeister und die Vertreter aus den Gemeinden ihre Verwaltung zur Sparsamkeit. Grund sind die erhöhte Umlage, welche die Gemeinden an die VG zahlen, und die Personalkosten im Rathaus.

3,50 Euro mehr pro Einwohner als 2017 müssen die Gemeinden an ihre Verwaltung entrichten. Damit liegt die VG-Umlage bei 136 Euro pro Kopf, 938 200 Euro sind es laut Plan insgesamt. Um alle ihre Ausgaben zu decken, nimmt die Verwaltung zudem 170 600 Euro aus der Rücklage, quasi vom Sparbuch. "Ohne die Entnahme hätten wir eine noch weitaus höhere VG-Umlage", warnte Blankenburgs Bürgermeister Jörn Sola (parteilos). "Wie soll das im nächsten Jahr weitergehen?" Immerhin: Für die kommenden Jahre hat die VG beschlossen, ihre Rücklage bei rund 100 000 Euro einzufrieren.

"Der Haushalt ist nicht fett, aber wir müssen Sparpotenziale finden", forderte Sola. Der Ortschef schlug zwei Ansätze vor, die mehrheitlich Zustimmung bei den Gemeinden fanden. Genau unter die Lupe kommen jetzt noch einmal die Stelle im Archiv und die Anschaffung eines Elektroautos. Letzteres wäre im Rahmen eines Förderprogramms möglich. Bei der Archivstelle geht es darum, ob sie wieder besetzt wird, wenn die Archivarin in Rente geht.

VG-Chef argumentierte mit Tarifsteigerungen

Die Personalkosten empfinden einige Gemeinden als aufgebläht. VG-Chef Thomas Frey argumentierte mit Tarifsteigerungen bei den Beamten und Angestellten. Zwei Stellen werden in diesem Jahr durch Azubis nachbesetzt, eine Kraft verabschiedet sich in den Ruhestand. 2019 stünden vier Altersabgänge und eine Neubesetzung bevor, so Frey. Die Kosten würden sich relativieren. Man müsse aber jetzt dem Altersdurchschnitt gegensteuern. Andere VG ähnlicher Größe würden ebenfalls eine bis 1,5 Millionen Euro kosten.

Selbstkritik an der Arbeit der Gemeindevertreter übte Stephan Giese aus Kirchheilingen: Viele hätten sich vom Etat-Vorschlag der VG "überfahren gefühlt". Die Arbeit im Ausschuss, der den Etat vorbereitet, müsse intensiver werden. "Wir müssen unsere Gestaltungshoheit wieder in die Hand nehmen", mahnte Giese seine Kollegen aus den Gemeinden, selbst mitzudenken, wie die VG in Zukunft auf finanziell festen Beinen stehen kann. Der Etat wurde mit fünf Gegenstimmen beschlossen.

 
 

Foto: 2017 stellte Boreas der Verwaltungsgemeinschaft ein Elektroauto zur Verfügung. Ob ein eigenes angeschafft wird, das soll jetzt noch einmal genau überprüft werden. Archiv-Foto: Friedemann Mertin